was Kehrtraud so erzählt

Am Fuß der Treppe


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Reise zu den
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CD "Großes Herz
verborgen"

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Hannes Tausch

klingeling@klingeling.at

Hörproben der CD

Runengesang

Sonnentanz

Muada i gspia di

Untersbergtrommel

Großes Herz

Urhornreise

Du bist

Schöpfungsvision

Die Erdn is unser...

Du großer Geist...

Obertongesang

Feija, du bist sche

Maultrommelstück

Das Horn

Runengesang mit
Himalayaberg-
quetschn

ich wünsche euch
viel Spaß beim
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Minna im Heimatmuseum

Warum sich die Minna Haberletzer hat ausstopfen lassen

Die Minna Haberletzer und ihr Ingeniör saßen auf dem Kanapee in der Küche und tranken Kaffee. Das Strickzeug lag mit halb abgestrickter Nadel auf dem Tisch neben einem Plan für eine neue Erfindung. Der Ingeniör spielte mit seinem Radiergummi.
„Ich dat so gern wissen“, sagte die Minna mit einem tiefen Seufzer, „wia des is, wenn i oid bin.“
„Das kann ich dir schon sagen“, meinte der Ingeniör. „Wenn du 90 bist, steckt dich deine Tochter ins Altersheim, weil du zu viel Blödsinn machst.“
„Was fia an Blödsinn denn?“
„Neue Tupperschüsseln kaufen zum Beispiel, Bücher, die du dann doch nicht liest, Schuhe, die du nie anziehst und Schlafanzüge, obwohl der Schrank voll ist.“
„Mit neinzge mach i des nimma.“ Minna nahm einen Schluck Kaffee.
„Weil du mit dem Fahrrad gegen die Einbahnstraße fährst.“
Minna grinste. „Des mach ich doch jetzt a scho.“
„Außerdem bist du schon dreimal mit der Nase voran ins Gemüsebeet gefallen.“
„Bin i nu nia ned“, stellte Minna empört fest. „nu nia ned im Lem bi i ins Gmiasbeetl gfallen.“
„Aber dann, mit 90, da ist dir das passiert. Deswegen meint die Helene, es muss jemand den ganzen Tag auf dich aufpassen.“
„Is ja a ned zum Aushalten. Da muass ich ja mim Radl fuatfahrn, wenn die dauernd auf mi aufpasst.“
„Eben, deshalb schickt sie dich ins Heim.“
Schweigen. Minna strickte weiter. Der Ingeniör radierte in seinem Plan.
„Woher woaßt du des so genau?“, fing sie nach einer Weile an, „bist du, gegen unser Abmachung, heimlich mit da Zeitmaschin?“
„Nein, bin ich nicht“, sagte Siegi.
„Aber wenn du des so genau woaßt.“
„Ich kenn dich – da brauch ich keine Zeitmaschine um zu wissen, was los ist, wenn du 90 bist.“
„Woaßt du dann a, was aus unsam Haus werd, aus meina Kuchl, ausm Kanapee?“
„Das kann ich dir auch sagen. Das alte Glump schmeißen sie in den Wald, deine ganzen Pullover und die gehortete Bettwäsche kriegt die Caritas, das Haus reißen sie ab und bauen einen Wohnblock hin.“
„Grad aso werds sei“, sagte Minna.
Sie schwiegen wieder. Minna kramte ein Taschentuch aus ihrer Schürzentasche und schnäuzte sich ausgiebig.
Der Ingeniör malte Linien auf seinen Plan.
„Und dei Werkstatt?“, fragte Minna, „deine ganzen Erfindungen? De vakaffans.“
„Nein“, sagte der Ingeniör, „die schmeißen sie auch weg. Weil sie verstehen ja nichts davon.“
„Die Zeitmaschin.“
„Das Tachionen Triebwerk – besser niemand merkt, dass ich das erfunden hab.“
„Und die ganzn Maschindaln, die du für mi baut hast, den Strudelaufroller, den Eierzerschlager, den Wiener-Schnitzel-Panierer ...“
„Wird alles entsorgt.“
Die beiden griffen nach ihren Kaffeehaferln.
Minna setzte die Tasse zurück auf den Tisch und stieß den Ingeniör mit dem Ellbogen in die Seite. „Geh“, sagte sie, „i muass des wissn, i muass des jetzt glei ganz genau wissn. Mach die Zeitmaschin startklar. Schick mi 45 Jahr voro.“

Minna landete in einer schlecht beleuchteten Tiefgarage. In einem Eck stand ein rostiges Auto aufgebockt, ohne Räder. Ein paar Abteile waren mit Brettern zu einem Verschlag abgetrennt. Ein Plastiktisch und ein paar Stühle standen vor der Ausfahrt, so dass etwas Licht auf den Tisch fiel. Ein Bierkistl mit leeren Flaschen stand daneben. Minna zog eine Plane über die Zeitmaschine und schob sie tiefer in die dunkle Nische. Mit festen Schritten ging sie die Rampe hinauf.
Wie erwartet, ihr Haus und der Garten waren nicht mehr da. Fünf schmale enge Reihenhäuser standen jetzt auf dem Grundstück, jedes mit 3 Quadratmeter Rasen vor der Terrasse. Schnell ging Minna hinaus auf die Straße.
Es regnete. Natürlich. Es regnete und Minna hatte keinen Schirm dabei. Dummerweise hatte sie auch noch ihre schönste Jacke angezogen, man will ja schließlich nicht wie eine Landstreicherin daher kommen.
Minna ging ihre alte Straße entlang. Die Häuser standen ein bisschen grau und alt herum. Die Thujenhecken waren noch höher gewachsen und so breit, dass sie schon den halben Gehsteig einnahmen. Die Straße war von Frostsprüngen kreuz und quer durchzogen.
Es war eigenartig, so ungewohnt still. Kein Auto nirgends. Ein einziger Fahrradfahrer kam daher. Der fuhr mitten auf der Straße und dann noch quer über die Kreuzung. Die Brücke über den Hachinger Bach war zusammengefallen. Die Betonbrocken lagen im Wasser. Ein paar Bretter waren darüber gelegt für die Fußgänger. Minna balancierte vorsichtig auf die andere Seite hinüber.
Der Kammerloher stand noch, aber er war kein Wirtshaus mehr sondern Heimatmuseum. Zu Minnas Lebzeiten hatte es auch schon ein Heimatmuseum gegeben, aber das war so klein, dass es in einem Kellerraum am Bahnhof Platz hatte und nur einmal im Monat geöffnet war. Auf dem Vorplatz standen alle möglichen Gartengeräte: Rasenmäher, Laubbläser, Dampfdruckreiniger, Heckenschneider, Häcksler, eine Schneefräse, Minitraktoren. Rosteten im Regen vor sich hin. Einige wenige waren mit Planen zugedeckt, so dass man nicht so recht sehen konnte, was darunter steckte. Minna beschloss ins Museum zu gehen, bis es zu regnen aufhörte.
An der Kasse saß eine nicht mehr ganz junge Frau und las. Minna suchte in ihrer Handtasche nach der Börse um den Eintritt zu zahlen.
„Aber, nein, Frau Haberletzer“, sagte die Frau, „Sie haben natürlich freien Eintritt.“
Minna war verblüfft. Woher kennt die mich? Sie ging hinein. Allzu oft war sie ja nicht im Museum gewesen, um genau zu sein, nur einmal. Aber es gab da doch ein paar Sachen, an die sich erinnern konnte. Den roten Bobschlitten zum Beispiel. Aber an diese ganze Reihe von Schaufensterpuppen in Abendkleidern konnte sie sich nicht erinnern, auch nicht an so viele Scherben und Vasen und Knochen. Eine Ausstellung „historische Tupperschüsseln“. Oha, was stand da auf dem Schildchen: Leihgabe von Isolde Haberletzer. Isolde? Wer war Isolde?
Und da, da war ja ihre Küche: der gute alte Wamsler Herd, auf dem es sich so gut kochen ließ, ihr Küchenkastl, in dem sie das gute Geschirr aufbewahrte. Fast war sie versucht, die Türen aufzumachen um nachzuschauen, ob das blaue Service noch komplett war. Das Kanapee und der Tisch mit einem Stock Alpenveilchen drauf und da, wer saß denn da auf dem Kanapee, ganz zusammengesunken, schief und verhutzelt? Wen hatten sie denn da hingesetzt? Ein altes Weiblein, 100 Jahre alt bestimmt. Spitze knochige Finger hielten die Stricknadeln. Aber die Wolle war um den rechten Finger gewickelt statt um den linken. Die Bluse kam ihr bekannt vor, auch das Umschlagtuch, das um die mageren Schultern geschlungen war. Es sah fast genau so aus wie das, das sie sich selber gehäkelt hatte, aus handgesponnener Wolle von freilaufenden Kärntner Bergschafen.
Dann ging ihr das Licht auf: „Oh mei, des bin ja i selba! 100 Jahr alt, mindestens oder gar 105. Ausgestopft hams mi und mit meina Kuchl ausgstellt.“
Ihr wurde ganz schwindlig. Minna musste sich am Küchentisch festhalten.
Die Treppe knarzte und ein kugelförmiger Mann kam herunter. Weiße Haare umrandeten wie ein Stachelkranz seine Glatze. Er rollte auf Minna zu: „Habe die Ehre, Frau Haberletzer“, rief er und strahlte sie an. „Schaungs moi wieda nach da Oma, gell?“
„Jaja“, sagte Minna, „vielleicht sollt ma sie a bissal abstaubn?“
„Ja, da hamms recht. Nicole!“ rief er.
„Was ist?“ kam die Antwort aus dem Vorraum.
„Bring den Staubhadern. Mia miassn d Frau Haberletzer abstauben.“
„Ich kann hier nicht weg“, rief Nicole, „ich hab doch Kassendienst.“
„Nix wia Ärga mit dera Nicole, rührt koan Finga ned, und des seit dreissg Jahr“, brummte Kipflbäck. Er zog ein Sacktuch aus der Hosentasche und fing an, die Figur auf dem Kanapee abzuwischen.
„Passn S auf“, sagte Minna, „glei lieg i am Bodn.“
Kipflbäck packte sie schnell am Arm. Minna schob den Tisch weg um ihm zu helfen.
Zusammen gelang es den beiden, die Alte wieder richtig hinzusetzen.
„So,“ sagte Minna. „Außerdem, da Fadn ist ganz foisch um de Hand gwickelt, so ko ma ned stricka.“
„Na ja, wer woass denn heit nu, wias Stricka geht. Microfaservliess und so Zeigs ziangs alle o.“
„I mach des scho.“ Minna mühte sich ab, der Figur das Strickzeug richtig in die Hand zu drücken. Aber das ging gar nicht. Denn die Finger und die Gelenke waren ganz steif.
„Was ham S denn gmacht, dass man da nix biang ko?“, fragte sie.
„Mia ham nix gmacht, Frau Haberletzer, das war scho oiwei so, seit s angeliefert worden ist. Des miassn Sie doch wissen. Sie ham des doch macha lassn, des Plastifizian.“
„I hab was?“, sagte Minna. Sie schob den Tisch wieder hin.
„Kann i mi a weng dazua sitzn?“, fragte sie.
„Aber sicher, setzen S Eahna nua zuawe zua Oma, da werd sie se gfrein“, sagte der Museumswärter. „Gell“, sagte er und tätschelte der Alten auf dem Kanapee die Schulter, „gell, Sie gfreits, wenn d Isolde kimmt.“
Minna setzte sich aufs Kanapee und musterte sich von der Seite. Eigentlich sah sie ja ganz passabel aus für 105. Faltig halt. Die Haare unter dem Kopftuch ganz weiß. Und dünn geworden. Erstaunlich dünn. Denn Minna war eigentlich sehr gut genährt. Vielleicht hatten sie sie im Altersheim auf Diät gesetzt, damit sie leichter wurde. Aber warum hab ich meine Kuchl dem Heimatmuseum vererbt? Und die Werkstatt vom Ingeniör? Ist die auch irgendwo? Warum nicht gleich das ganze Häusl als „Siegfried und Wilhelmine Haberletzer Museum“ einrichten?
Auf der Empore rumorte der Kipflbäck. Manchmal hörte sie ihn schwer schnaufen. Sonst war es still im Museum. Minna nahm das Strickzeug und strickte ein paar Runden, dann drückte sie es wieder der ausgestopften Minna in die Hand. Ein komisches Gefühl war das schon, neben der eigenen Leiche zu sitzen. Kann man sich mit sich selbst unterhalten? Ja, man kann. Minna zum Beispiel fragte sich, ob es schöner war im Museum zu sitzen als im Grab zu liegen. Wärmer auf jeden Fall. Auch wenn überhaupt nichts los war im Museum heute, aber das lag nur am Regen. Sonst war hier schon mehr Betrieb. Ganze Schulklassen kamen manchmal.
Minna schaute auf die Uhr. Es war allmählich Zeit, wieder nach Hause zu fliegen. Der Ingeniör hatte ihr nur 2 Stunden zugestanden. Wegen Verletzung der Kausalität. Weil sonst die Gefahr war, dass sie in ein Paralleluniversum abdriftete. Und Hunger hatte sie auch. Also wisperte sie der ausgestopften Minna ein „Pfiadi“ ins Ohr, rief sie dem Museumswärter ein „Auf Wiederschaung“ die Treppe hinauf, nickte der lesenden Frau an der Kasse freundlich zu, und machte sie sich auf den Rückweg zur Tiefgarage.
Es regnete immer noch. Minna hätte sich von der anderen Minna das Kopftuch leihen sollen.
Mist! Die Tiefgarage war geschlossen, das große Rolltor herunter gelassen. Minna zog eine Haarnadel aus ihrem Knoten und stocherte im Schloss. Aber das tat sie nur auf gut Glück, sie war keine Expertin für Schlösser. Es ging auch nicht auf. Und es regnete und regnete.
Minna ging zu den neuen Häusern und klingelte. Im ersten Haus - niemand daheim, im zweiten Haus - niemand daheim, im dritten - jemand kam an die Tür, schaute durch den Spion heraus.
„Hören Sie“, rief Minna- zur Sicherheit auf Hochdeutsch -, „könnten Sie so nett sein und mir die Tiefgarage aufmachen, ich hab da meine Zeitmaschine drin stehen und muss dringend zurück.“ Niemand öffnete.
Im vierten Haus kam eine alte Frau an die Tür, im Nachthemd und Pantoffeln, mit verstrubbelten Haaren.
„Könnten Sie mir die Tiefgarage aufsperren?“
„Was gibt es heute zu essen?“, fragte die Frau.
„Das weiß ich doch nicht“, sagte Minna. „Ich hab was in der Tiefgarage vergessen. Haben Sie vielleicht einen Schlüssel?“
„Warum bringt heute nicht der junge Mann das Essen?“, fragte die Frau.
„Ach, entschuldigen Sie“, sagte Minna, „legen Sie sich wieder hin. Das Essen kommt gleich.“
Dann klingelte sie beim fünften Haus. Niemand zu Hause. Die alte Frau stand immer noch im Nachthemd in der Haustür und schaute ihr nach.
„Gehen Sie wieder hinein“, sagte Minna, „es ist kalt.“
„Aber es muss doch jeden Moment das Essen gebracht werden“, sagte die alte Frau.
„Das dauert noch eine Stunde.“
„Dann wart ich halt so lang.“
„Ja, aber gehen Sie hinein und machen Sie die Tür zu.“
Minna hörte die Schlüssel im Haus Nummer drei klirren. Die Tür öffnete sich und ein junger Bursch steckte seine Nase heraus.

„Verschwinden Sie! Lassen Sie die alte Tante in Ruhe!“ zischte er.
Minna drehte sich zu ihm um und lächelte ihn so freundlich an, wie sie nur konnte: „Äh, könnten Sie mir die Tiefgarage aufsperren, bitte? Ich hab meinen Schlüssel im Auto gelassen.“
„Tiefgarage? Auto? In der Tiefgarage ein Auto stehen lassen? Sie sind wohl nicht ganz dicht. Wer hat denn heute noch ein Auto! Bei 21 Euro der Liter Benzin! Die Tiefgarage ist an eine Rockband als Übungsraum vermietet. Verschwinden Sie, sonst hole ich die Polizei.“ Dann schlug er die Tür zu.
Die alte Frau im Nachthemd war ein Stück herausgetreten. „Ja“, sagte sie, „früher einmal, da bin ich auch Auto gefahren, so vor 50 Jahren oder noch mehr. Jeden Tag war ich unterwegs, die Kinder in die Schule fahren, zum Sport, zur Musikstunde.“
„Jetzt gengan S aba eini.“ Minna schob die Frau ins Haus und zog die Haustür zu.

Rockmusiker sind Nachteulen, immer schon gewesen, überlegte Minna. Aber wie die Zeit bis zum Abend herum bringen?
Unter den Regen mischten sich Schneeflocken. Ein Fahrrad mit großem Anhänger, graues Plastik mit dem Logo der Caritas hielt an der Einfahrt. Ein junger Mann mit Pferdeschwanz kramte im Anhänger und ging dann mit einer Isolierbox zum Haus der alten Frau. Minna wartete am Fahrradanhänger auf ihn bis er wieder zurück kam.
„Sie da“, sagte sie, „wissen Sie ned zufällig, wia ma in die Tiefgarage eini kimmt? I hab mei Radl drin parkt, damit s ned nass werd und jemand hat des Tor zuagmacht.“
Der junge Mann schüttelte den Kopf.
„Kennans de Rockband, de dort übt?“
„Rock interessiert mich nicht“, sagte der junge Mann, „ich höre nur Trash.“
„Trash?“
„Und ab und zu Gothic Metall.“ Er kratzte sich am Kopf. „Kann man nichts machen.“
Minnas Jacke fühlte sich schon sehr feucht an. Wahrscheinlich ging die Nässe schon durch.
„A Cafe gibt’s a nirgands?“, fragte Minna. Der junge Mann zuckte die Achseln. Dann schwang er sich auf sein Fahrrad und rumpelte mit seinem Anhänger davon.
Wieder vor zur Hauptstraße. Mittlerweile waren die Schneeflocken schon größer und blieben auf Minnas Schulter und der Nasenspitze einen Moment liegen bevor sie herabrannen.
Ob der Museumswärter einen Kaffee hatte? Oder die Nicole an der Kasse? So ging sie wieder zum Museum zurück.
Es war abgeschlossen. Minna klopfte an die Tür, klopfte ans Fenster.
„Hallo?“ rief sie. Keine Antwort.
„Ich bins, die Haberletzerin.“ Keine Antwort. Wahrscheinlich saß der dicke alte Museumswärter im Wirtshaus Post und ließ sich einen Schweinsbraten schmecken.
Minna fror. Schon war die Straße und der Vorplatz mit einer dünnen weißen Schneeschicht bedeckt. Die ganzen Maschinen hier - Halt! Da schimmerte etwas im trüben Winterlicht: eine große Glaskugel! Hinter all den Gartengeräten einer vergangen Epoche, im Eck zwischen Hauswand und Gartenzaun, mit einer Plane bedeckt, die durch die Nässe schwer geworden halb herunter gerutscht war, stand die Zeitmaschine. Minna atmete auf. Sie zog die Plane ganz herab. Ja, eindeutig Siegis Zeitmaschine. Da drüben dieses Gerät mit dem Rohr, das war sogar sein Tachyonenantrieb. Minna schob und rückte die ganzen Geräte zur Seite und rollte die Zeitkugel nach vorne bis sie mitten auf der Einfahrt stand. Sie legte den kleinen Hebel um, die Zeitmaschine klappte auf, Minna stieg ein. Sie kontrollierte die Anzeigen: ihre Rückreise war bereits einprogrammiert.
In dem Moment kam der Museumswärter daher. „Frau Haberletzer, was machens denn da?“, rief er.
Minna öffnete die Zeitkugel eine Spalt: „Schaung S in da Tiefgarage im Finsinger Weg nach! Da findn S nu so oane!“ Schnell die Kugel wieder geschlossen, Startknopf gedrückt und das Museum verschwand im Nebel. Als letztes sah Minna den weit offenen Mund des Franz Xaver Kipflbäck.


„Gut“, sagte der Ingeniör, „vermachen wir halt unser gesamtes Graffl dem Heimatmuseum. Willst du dich wirklich ausstopfen lassen? Man kann die Kuchl doch auch ohne dich ausstellen.“
„Vastehst du des ned, Siegi? Wia i so neba ihr auf dem Kanapee gsessen bin, da hat s mia gesagt, dass es ihr ...“
„Geh, Minna“, unterbrach sie der Ingeniör. „Du bist ausgestopft, du bist tot, da kannst du nichts mehr sagen.“ Aber Minna ließ sich nicht beirren: „dass es mir gfoit im Museum. Kemman allawei Leit zu mia, bringan mia Bleamal mit. Sogar unsa Enkelin, die Isolde kimmt alle paar Wochen vorbei. Ich mecht da sitzn 100 Jahre lang oder wenn’s sein muass a 300.“
„Von mir aus. Aber eine Enkelin Isolde haben wir nicht.“
„Vielleicht kriang ma bald oane?“
„Unsere Helene ein Kind? Das wird nichts mehr. Die ist schon 34.“
„Aber es kunnt nu geh. Moanst ned, ...“
Doch der Ingeniör fiel ihr ins Wort: „Die nächste Zeit geht nichts mit Zeitreisen. Schau dir doch die Kugel an, wie klapprig die ist! Die hat 60 Jahre auf dem Buckel. Die meiste Zeit im Freien gestanden. Die muss ich erst einmal generalüberholen. Hast wirklich Glück gehabt, dass dir die nicht unterwegs auseinandergebrochen ist.“
„Na guat, inzwischen wer i mal schaung, ob ich a Strickanleitung für Babyjopperl find. Füa de kloane Isolde.“
1.2.09 17:08
 



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