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rhythmisch-melodische
Reise zu den
Mythen der Alpen
grossesherz


CD "Großes Herz
verborgen"

zu bestellen bei
Hannes Tausch

klingeling@klingeling.at

Hörproben der CD

Runengesang

Sonnentanz

Muada i gspia di

Untersbergtrommel

Großes Herz

Urhornreise

Du bist

Schöpfungsvision

Die Erdn is unser...

Du großer Geist...

Obertongesang

Feija, du bist sche

Maultrommelstück

Das Horn

Runengesang mit
Himalayaberg-
quetschn

ich wünsche euch
viel Spaß beim
Reinhören




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Limo für Chattibums

Seit drei Jahren passiert beim Haberletzer in der Sylvesternacht etwas Eigenartiges: Zwei oder drei Sektflaschen im Keller sind leergetrunken, dabei aber noch original verschlossen, richtig noch mit Draht umwickelt und nicht einmal die Folie oben herum ist beschädigt.
Das erste Mal waren der Ingeniör und die Minna an Sylvester bei Freunden und sie haben gedacht, da hat ihnen jemand aus der Nachbarschaft einen Streich gespielt. Das zweite Jahr waren sie zu Hause und haben aufgepasst, dass die Tür fest zu war. Aber um Mitternacht sind sie natürlich hinausgegangen, um das Feuerwerk anzuschauen. Vielleicht war da die Haustür nicht richtig zu und jemand hat sich in den Keller geschlichen? Im dritten Jahr haben sie die Sektflaschen gut versteckt, in einer Schachtel im hintersten Eck des Kellers und Minna hat noch einen Berg schmutzige Wäsche darüber gehäuft. Trotzdem waren wieder drei Flaschen leer und nicht die billigen vom Dings, die ihr die Freundin zu Weihnachten geschenkt hat, sondern die teuren guten, die Minna im Bioladen gekauft hat.
Dieses Jahr passiert Minna das nicht mehr. Seit Weihnachten trinken die beiden jeden Abend eine Flasche. Jetzt sind grad noch drei übrig, zwei billige und eine etwas bessere. Die stehen auf dem Küchentisch. Das Feuerwerk schauen sie sich heuer auch nicht an. Sie bewachen ihren Sekt und hoffen, dass der geheime Säufer, der verschlossene Flaschen leeren kann, sich bemerkbar macht. Kurz vor Mitternacht stellen sie den Radio an und warten auf die Zeitansage: „Tüt, Tüt, tüt, tüt, tüüüt! Gutes Neues Jahr!“ Der Ingeniör lässt den Korken knallen und gießt Minna und sich selber ein. Sie stoßen an, umarmen sich, mit dem Glas in der Hand, küssen sich ein bisschen, stoßen wieder an, wollen trinken – Minnas Glas ist leer.
„Hast du mir nichts eingegossen?“
„Du hast schon alles ausgetrunken.“
Aber Siegis Glas ist auch leer. Und die Flasche, als er nachgießen will, die ist auch leer.
„He, so geht das nicht!“ ruft Minna und packt die beiden anderen Flaschen, drückt sie sich fest an die Brust.
„Hicks“, macht es ganz laut.
Minna hat das Gefühl, dass irgendwas an den Flaschen zieht und dreht sich herum.
„Bäh“, sagt jemand, „das schmeckt gar nicht. Wo habt ihr denn die gute Limo versteckt?“
Ein paar orangefarbenen Kugeln schweben vor Minna in der Luft. Werden dicker und schwanken hin und her und werden wieder kleiner.
„Wer bist du?“, fragt Minna „und warum säufst du unseren Sekt weg?“
„Chiddabambaran Qua sulmifas.“
“Wie bitte?”
„Ihr könnt mich Chidulmi nennen. Habt ihr nicht noch irgendwo was von der besseren Sorte ? Ich kann im ganzen Haus nichts finden.“
In der Luft erscheint eine Art grün-orange-geringelter Rüssel. Daneben etwas, das wie eine Gelatinekugel ausschaut mit einem dunklen Kern.
„Wer gibt dir das Recht, hier einfach einzudringen und unseren Sekt zu saufen?“ Minna funkelt den Rüssel wütend an. Der verschwindet, dafür schwillt die Gelatinekugel an. Groß wie ein Fußball ist sie schon.
Siegi springt vom Kanapee auf, packt den Stopselzieher und geht damit auf die Kugel los. Schwupp - ist sie weg. Ein dumpf dröhnendes Gelächter rumpelt durch die Küche.
„Ich selbst gebe mir das Recht dazu, weil ich euch erbärmliche Wesen in den Weiten des Raumes entdeckt habe. Dreidimensionale Leberwesen! Aber die Limo, die ihr habt, schmeckt wirklich gut.“
„Und wie viel Dimensionen hast du?“, fragt der Ingeniör, immer noch mit dem Stopselzieher vor sich in der Luft herumstechend.
„Vier natürlich.“
„Und du darfst das? Einfach hierher kommen und uns schikanieren?“, piepst Minna, hinter dem Rücken von Siegi hervor.
„Wir werden dich bei der vierdimensionalen Polizei anzeigen“, schreit Siegi.
„Hahaha“, lachte der Chiddabams, „macht das doch! Das könnt ihr nämlich gar nicht, ihr Flachlinge. Ich brauch euch bloß in die vierte Dimension heben und ein bisschen zu schütteln, dann fallen diese ganzen Stöcke, die in eueren armseligen vier Tentakeln stecken, heraus und das ganze rote Zeugs, mit dem ihr vollgestopft seid.“ Dabei schlingt sich eine grüne-orange geringelte Wurst um Minnas Hüfte und hebt sie etwas vom Boden hoch.
Minna quiekt. Sie streckt dem Geist die Flaschen entgegen und ruft: „Da, da, nimm sie und verschwinde! Der Siegi macht sie dir noch auf.“
Siegi sticht mit dem Korkenzieher nach der Wurst.
„Au, au“, schreit Minna, denn er hat sie erwischt.
„Pah, als vierdimensionales Wesen saug ich die einfach so aus. Aber das hier, dieses Prietschelwasser, das mag ich nicht. Habt Ihr wirklich nichts mehr von dem guten roten Prosecco, den ihr voriges Jahr hattet?“
„Nein, aber ich kann morgen, äh nein, übermorgen einen kaufen gehen.“
Minna plumpst auf den Boden. Die Flaschen fallen ihr aus der Hand und rollen unter den Tisch.
„Übermorgen geht nicht. Wenn, dann kann ich nur in der Sylvesternacht kommen. Ist eh schon fast vorbei. Na gut, nächstes Jahr komm ich wieder. Aber da besorgt ihr bitte wieder was besseres. Tschaaauuuuuu.“ Etliche orangene Kugel schwabbeln durch die Küche, schrumpeln zusammen. Stille.
Minna und Siegi schauen sich an.
„Du warst sehr mutig“, sagt Minna. Siegi legt den Stopselzieher auf den Tisch und hilft Minna aufstehen.
„Naja“, sagte er, „nicht dass er dich mitnimmt.“
„Ich hab eine wahnsinnige Angst ghabt“, gesteht Minna. „Drum hab ich ihm gleich den Sekt angeboten. War das falsch?“
„Nein, nein, war schon richtig. Ich weiß nicht, ob ich viel ausgerichtet hätte. Mit dem Ding da. Wenn es wenigstens ein Messer gewesen wäre.“
„Was machen wir, wenn das Monster nächstes Jahr wieder kommt?“
„Das müssen wir uns noch überlegen. Aber wir haben ja ein Jahr lang Zeit.“

Es ist November und Minna und ihr Ingeniör haben immer noch keine Idee.
„Wir könnten den Sekt in die schwere Holzkiste aus deiner Werkstatt legen und die Kiste ganz fest mit Ketten umwickeln und die mit stabilen Vorhängeschlössern sichern“, schlägt Minna vor.
„Nutzt nix“, sagt Siegi. „Wenn das wirklich ein vierdimensionales Wesen ist, kann es in jedes dreidimensionale Behältnis hineinlangen so wie du in einen Teich hineinlangst und Steine herausholst. Es hat ja auch den versteckten Schampus gefunden, weil das Haus für ihn auf einen Blick bis in den letzten Winkel zu sehen ist.“
„Dumm“, sagt Minna.
Es ist Anfang Dezember. Der Ingeniör hat eine Idee.
„Ich baue ein Chaospendel und da hängen wir die Flasche dran.“
„Ein was?“
„Na so eine Maschine, die fährt die Flasche rauf und runter, nach links und nach rechts oder nach oben oder nach unten – aber du kannst nicht ausrechnen, was sie als nächstes macht.“
„Und du meinst, das hilft?“
„Zumindest wenn die Bewegungen schnell genug sind, braucht das Viererdings eine Zeit lang, bis es sich die Flasche schnappen kann.“
„Die Wahrscheinlichkeit, dass der Schnappidam die richtige Bewegung errät ist ein Sechstel. Wahrscheinlich erwischt er nach fünfmal daneben langen doch die Flasche. “
„Hmm, ich könnte noch Rotationen einbauen, dann haben wir noch 3 Freiheitsgrade mehr.“
„20 Versuche und er hat sie.“
„Oder er packt einfach die Arme von der Maschine und hält sie fest.“
„Meinst, dass er das kann?“
„Bestimmt.“
„Dann müssen wir uns noch was anderes überlegen.“

Drei Tage vor Weihnachten. Minna hat Sekt gekauft, den guten roten aus dem Bioladen.
„Hast du endlich eine Idee, Siegi?“
„Nein. Und du?“
„Auch nicht.“
„Dann trinken wir den Sekt an Weihnachten.“

Weihnachten ist vorbei. Kein Sekt mehr im Hause.
„Sylvester ohne Sekt, das ist doch nichts“, sagt Minna. „Wenigstens eine Flasche könnten wir doch kaufen.“
„Und noch vor 12 Uhr aufmachen, damit wir gleich anstoßen können, bevor uns der Tschattibums alles wegsäuft.“
„Jetzt, jetzt hab ich eine Idee!“

Sylvester Abend, kurz vor 12 Uhr: Siegi öffnet eine Flasche Prosecco, 3,95 Euro die Flasche aus dem Supermarkt. Man muss ja nicht übertreiben. Er gießt drei Gläser voll.
Tüt, tüt, tüt macht es im Radio. Siegi und Minna heben jeder ein Glas hoch. Das dritte steht am Tisch, mitten am Tisch, auf einer grünen Serviette.
Tüüüt!
Minna und Siegi rufen: „Ein gutes Neues Jahr, lieber Tschattibum und Prost!“
Dann leeren die zwei ihr Glas. Das Glas auf dem Tisch leert sich auch.
„Na, schmeckt’s dir?“
„Oh ja! Schmeckt ganz gut!“, sagt eine kratzige Stimme.
„Noch was?“
„Danke, ich nehme mir.“
Die Flasche leert sich.
„Lass uns auch noch ein Schlückchen.“
„Tschuldigung! Nix mehr drin. Aber – hicks -- so was gibt’s bei uns halt nicht.“
„Willst du dir vielleicht eine Flasche mitnehmen?“, fragt Siegi.
„Geht doch nicht“, klagt die Stimme. Auf einmal sind wieder diese orangenen Kugeln da, tanzen durch die Küche. „Eure dreidimensionalen Flaschen laufen in der vierten Dimension einfach aus.
„Ich verstehe“, sagt Minna, „das ist, wie wenn ich mit einem Wollfaden einen Wasserfleck auf dem Tisch umschließe. Ich kann ihn zwar umgrenzen, so dass er nicht ausläuft, aber nicht transportieren.“
„Ha?“, sagt Siegi.
„Ich erklär dirs nachher.“
„Aber ihr habt ja noch zwei Flaschen im Kühlschrank!“ Schon stehen die Flaschen am Tisch – ohne dass die Kühlschranktür aufgegangen wäre. „Eine für euch, eine für mich?“
Während Siegi noch mit den Draht herumwerkt, leert sich die andere bereits – verschlossen, versteht sich.
„Hach, das schmeckt! Wie sagt ihr? Prost!“ der Chatti rülpst laut. „Nächstes Jahr komm ich wieder! Dann besorgt bitte noch eine Flasche mehr und am liebsten wär mir die rosa Limo, die ihr sonst immer hattet.“
„Könntest du uns dafür einen Gefallen tun?“, fragt Siegi.
„Bitte gerne, aber ich muss eigentlich schon wieder weg.“
„Ach, es ist nur eine Kleinigkeit. Kannst du da einen Knoten hinein machen?“ Er streckt einen aufgepumpten Fahrradschlauch in die Höhe. Ein orange-grüngeringelter Wurm greift danach.
Der Schlauch verschwindet und ist gleich wieder da.
„Recht so? Aber jetzt muss ich los. Danke für die Limo. Und tschaaauuu.“
Und hier, hier den Schuh! Minna zeiht ihre Birkenstocksandale aus. „Kannst du den umdrehend?“
Triumphierend schwenkt Siegi den Fahrradschlauch.
„Da ist ein Knoten drin, da ist ein Knoten drin!“, jubelt er.
Ich hab zwei linke Schuhe, ich hab zwei linke Schuhe!“, jubelt Minna.
Dann gehen die zwei vors Haus, wo die Nachbarn schon Feuerwerk zünden und schauen zu, wie die Raketen ringsum in den Himmel steigen. Und anschließend gehen sie in den Garten, wo in einer Astgabel des Apfelbaumes noch eine Fasche Sekt steckt: Rosee, Marke Perlage, aus dem Bioladen, die Flasche zu 11.98 Euro. Das ist die, auf die der Chattibumsdi so scharf ist. Die Minna auch.
31.12.08 12:30
 



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